Konzept

Seit 2007 tourt die Kinder- und Jugendfilmtour "Popcorn im Maisfeld" nun jährlich durch Rheinland-Pfalz. Die Planung und Umsetzung des Projekts basiert auf den zentralen Aufgaben der filmpädagogischen Arbeit. Die Filmtour richtet sich nach den folgenden drei Grundsätzen:

  1. Kinder- und Jugendfilme, vor allem diejenigen, die nicht in großen Kinokomplexen laufen, dem jungen Publikum nahe zu bringen.   
  2. Kino dorthin bringen, wo es keine Kinos gibt und die Filme in Verbindung zu den außergewöhnlichen Orten zu setzen, an denen sie gezeigt werden. 
  3. Die pädagogisch begleitete Filmarbeit weiter zu beleben.


Darüber hinaus trägt die Filmtour dazu bei, bestehende Kooperationen in der Jugendarbeit aufrecht zu erhalten und das Netzwerk zu erweitern. Die starke Vernetzung und der persönliche Kontakt zu den Kooperationspartner*innen zeigen sich unter anderem an den zahlreichen Jugendlichen, die vor Ort mit dabei sind und die Aktionen ehrenamtlich unterstützen.


a. Besondere Kinder-/Jugendfilme

Die Auswahl der Filme findet unter folgenden Kriterien statt:

  1. Überprüfung der Altersfreigaben der FSK sowie der pädagogischen Altersempfehlungen des Bundesverbandes Jugend und Film (BJF)   
  2. Eignung und thematischer Bezug zum Ort
  3. Beachtung aktueller Entwicklungsthemen der Zielgruppe


Kinder- und Jugendfilme sind dann pädagogisch wertvoll, wenn Kinder/Jugendliche wirklich an sie anknüpfen und einen Mehrwert von ihnen „mitnehmen“ können. Besondere Kinder- bzw. Jugendfilme werden ganz aus Sicht der Kinder /Jugendlichen erzählt und bewegen sich stets auf ihrer Augenhöhe. Dabei behandeln sie in einer sprachlich und visuell angemessenen Art Themen und Konflikte, die mit dem alltäglichen Leben von Kindern/Jugendlichen zu tun haben.

Komplexe Themen auf kind-/jugendgerechte Weise zu vermittelt, darin besteht die Herausforderung gerade von anspruchsvollen Kinder-/Jugendfilmen. Sowohl Kinder als auch Jugendliche jedoch haben „ein waches Interesse (...) an Filmen, die ihnen die schwierigen Seiten des Lebens vor Augen führen oder ihre filmischen Gewohnheiten herausfordern“ (Beate Völcker: Kinderfilm. Stoff- und Projektentwicklung, Konstanz 2005). Sie wollen nicht unterschätzt werden. Sie lauschen auch gern einmal leisen Tönen und folgen langsamen Erzählweisen, die sich von dem alltäglichen TV-Programm unterscheiden. Es ist wichtig, Kindern  und Jugendlichen verschiedener Altersstufen und sozialer Ursprünge diese besonderen Filme, verschiedenen Genres und Stile zugänglich zu machen, denn Kinder/Jugendliche sind das Publikum von morgen „mit einem Anrecht auf eine vielfältige Filmkultur“ (Beate Völcker). Im Rahmen der Kinder- und Jugendfilmtour, die das Filmerlebnis mit einem ungewöhnlichen Ort und einer spannenden Aktion verbinden, können die Filme auch jenseits der Schulen ihr Publikum finden. Dabei ermöglicht gerade dieser Rahmen eine aufmerksame Auseinandersetzung und freiere Reflektion mit dem Medium, als es z.B. in der Schule der Fall ist.

„Leise, liebenswerte, ernste Kinderfilme könne Kinder beschäftigen und begeistern, wenn man die richtige Rezeptionssituation schafft“, so heißt es schon im Abschlussbericht der ersten Kinderfilmtage 2007. Seit 2018 ist die Filmtour nun um Jugendliche erweitert worden. Mit Hilfe aktueller Bezüge und der Thematisierung von alltäglichen Konflikten, Belastungen und Herausforderungen von Kindern und Jugendlichen, kann es den Filmen gelingen, ihre jungen Zuschauer*innen zur Identifikation und schließlich sogar zur Lösung eigener Probleme anzuregen. Das zu erreichen, wäre ja ein wunderbares, absolut lohnenswertes Ziel.


b. Außergewöhnliche Orte

Filme in Verbindung zu einem besonderen Ort zu setzen sowie passende Begleitaktionen (z.B. Spiele und Basteln) für die jungen Kinobesucher*innen anzubieten, stellt eine wichtige Rolle in der filmpädagogischen Arbeit dar. Dabei kommt vor allem der Ganzheitlichkeit eine entscheidende Bedeutung zu. Stehen Ort, Aktion und Film gleichwertig nebeneinander (und ist der Kinoraum vollständig verdunkelt), können die Kinder/Jugendlichen im besten Fall voll ins Programm eintauchen und sich mit allen Sinnen auf die verschiedenen Erlebnisse einlassen. So schauten schon Kinder im Schwimmbad in Idar-Oberstein zum Beispiel einen magischen Animationsfilm zum Thema Wasser.


c. Pädagogische Filmarbeit: Filmgespräche

Zentrales Element einer jeden „Popcorn im Maisfeld“-Kinderkino-Veranstaltung ist das im Anschluss an den Film stattfindende Filmgespräch. In dieser Nachbereitung wollen wir den Kindern und nun auch Jugendlichen die Möglichkeit geben, aufzuzeigen, welche Themen und Aspekte am Film für sie bedeutungsvoll waren. Welche Szenen haben sich ihnen besonders eingeprägt, mit welcher Figur konnten sie sich identifizieren, gab es Elemente am Film, die sie nicht verstanden oder die sie verängstigt haben? Für all das sollte hier Raum sein. Dabei geht es in erster Linie um den emotionalen Zugang der Kinder/Jugendlichen zum Film, um die soziale Erfahrung, das sinnliche, visuelle Erlebnis.

Die Erfahrung in der Filmarbeit mit Kindern der letzten Jahre zeigt: Je intimer das Setting, desto intimer das Gespräch – am besten ist ein enger Sitzkreis (bei großen Gruppen am besten in zwei Kleingruppen splitten) – auf eine Decke gekuschelt, im Stroh, auf dem Boden zwischen den Schränken mit den Feuerwehr-Kluften oder bei schönem Wetter draußen, etwa auf der Wiese neben der Pferdekoppel. Im Idealfall gehen der zuvor gesehene Film und die Umgebung eine Allianz ein. Die Kinder fühlen sich eingesogen in die Geschichte und erleben sie noch nach, auch nachdem der Abspann über die Leinwand gelaufen und das letzte Popcorn geknuspert ist.

Wichtig ist ein Zusammenspiel von „lauten“ und „leisen“ Methoden, nicht jedem Kind liegt es, sich in der großen Gruppe zu offenbaren, nicht jedes Kind malt gerne eine Filmszene nach, aber jede*r sollte die Möglichkeit erhalten, ihre*seine Sichtweise zu schildern.

Methodenübersicht:

Die Icebreaker-Frage
Zu dieser Frage hat wirklich jede*r eine Antwort parat (z.B.: Wohin würdet ihr gerne mal eine Zeitreise machen?). So wird der kommunikative Raum zu Beginn für alle geöffnet und wenn sich jede*r einmal getraut hat, etwas Persönliches zu sagen, ist meist das Eis gebrochen.

Der Einschätzungskreis
Die Teamer stellen sich in die Mitte, die Kinder in einem Kreis außen herum. Nun werden Aussagen zum Film aufgestellt (z.B. Der Film hatte ein schönes Ende, Die Hauptdarstellerin war mutig, Ich hatte ein bisschen Angst). Je weiter die Aussage zutrifft, desto näher rücken die Kinder zu den Teamern. 

Einschätzung des Films
Dies kann als Bewertung mittels Daumen geschehen (gerne auch bei geschlossenen Augen, um Gruppeneffekte zu vermeiden), mit Smiley-Punkten, die auf ein Plakat geklebt werden oder in Form von einem Bewegungsspiel, bei dem die Kinder oder Jugendlichn ihren Sitzplatz wechseln, wenn sie die Frage mit „ja“ beantworten.

Alternative Filmtitel
Auf die Suche nach einem alternativen Filmtitel kann in Einzelarbeit, am Plakat oder in einer mündlichen Runde gegangen werden. Auch hierbei lässt sich gut erkennen, auf welche Aspekte des Films die Kinder oder Jugendlichen ihre persönliche Lupe richten,     was für sie den Kern des Films ausmacht.

Das thematische Assoziationscluster
„Worum ging es im Film?“ Die Schlagworte der Kinder und Jugendlichen, die sie auf einem Plakat sammeln, können der*dem Gesprächsleiter*in Auskunft geben, auf welche Themenschwerpunkte im Gruppengespräch besonders eingegangen werden sollte.

Visuelle Erinnerungsstütze
In einer stillen, visuellen Phase können sich Kinderund Jugendliche auf sich selbst und ihren persönlichen Bezug zur Geschichte konzentrieren. Sprechblasen-Karten und Stifte werden mit der Frage: „An welche Szene (oder welchen Satz) aus dem Film kannst Du Dich noch besonders gut erinnern?“ an alle ausgeteilt. Durch die Zeichnungen erhält die pädagogische Fachkraft Einblicke in die Intensivität der Auseinandersetzung und kann ggf. daran anknüpfen.

Unser Ansatz liegt im Fokus ganz klar bei der Perspektive der Kinder und Jugendlichen. Allgemeinen wollen wir zu den persönlichen Themen der Kinder und Jugendlichen kommen, uns mit den Fragen behutsam zur eigenen Lebenswelt vortasten. Die Anschlussfähigkeit des Films und der*die Protagonist*in stehen im Mittelpunkt. Ein gutes Filmgespräch hat dabei nichts mit einer Wissensabfrage gemein, wie sie in Schulen zum Teil nach Filmen praktiziert wird. Viel spannender ist es, wenn Sachverhalte unterschiedlich interpretiert werden. Vom Film ausgehend werden bspw. eine philosophische Erörterung über den Umgang mit Tod (bei „Die Melodie des Meeres“) oder die eigene Einstellung zu Homosexualität (bei „The Liverpool Goalie“) zum Thema.
So können die Kinder und Jugendlichen ihre eigenen Erfahrungen zu denen der Filmfiguren in Bezug stellen. Gerade bei „schwierigen“ Themen wie Tod, Trauer, Scheidung, Mobbing, Arbeitslosigkeit oder Rassismus herrscht oftmals ein großes Redebedürfnis vor.